Chronik

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Die Chroniken der Stadtkapelle Gengenbach
Quellen: Festschrift 1982
Flyer 2007

Von einem Trompetenkauf für die Kapelle des Bürger-Militär-Corps Gengenbach berichtet uns ein Aktenstück aus dem Jahre 1844. Die Stadtkapelle kann somit auf eine 128jährige Tradition zurückblicken. Im Jahre 1848 wird in unserem Städtlein zum erstenmal in den Annalen von einer Kapelle des Bürger- und Militär-Corps gesprochen, wie auch das abgebildete Schreiben auf der nächsten Seite beweist, daß an den Wohllöblichen Gemeinderath der Stadt Gengenbach gerichtet wurde. Diese Kapelle wurde 1849 in eine Blechmusikgesellschaft umbenannt und von dem damaligen Oberlehrer Schwan geleitet. Der Dirigent richtete einen Aufruf an die “Freunde der Musik" mit der Bitte, der Kapelle einen monatlichen Beitrag zu leisten, zwecks Anschaffung von Instrumenten, Notenpapier (in dieser Zeit wurde Notenmaterial fast ausschließlich mit der Hand geschrieben) und Wein für die Musikproben. Man kann feststellen, daß das Blasen schon vor mehr als 125 Jahren eine durstige Angelegenheit war.

1848/1849/1851 und 1852 waren die Geldmittel der Kapelle sehr gering, sodaß erwägt wurde, diese Kapelle wieder aufzulösen. Der damalige Dirigent Stein erließ aus diesem Grunde im Dezember 1852 ein öffentliches Schreiben an die gesamte Bevölkerung, mit der Bitte durch monatliche Beiträge die Kapelle finanziell zu unterstützen. Durch erhebliche Geld-Beträge wurde die Musik dann unterstützt, welche laut vorliegenden Unterlagen durch Bezahlung von Wein nach den Proben wieder ausgegeben wurden. In den folgenden Jahren versagten diese Mittel, sodaß kein Dirigent mehr bezahlt werden konnte und die Musik bei keiner Veranstaltung (Fronleichnams-Prozession) mehr spielte. Der Stiftungsrats-Vorstand hat sich mit Schreiben vom 2. Januar 1856 bereit erklärt, für die Musik 50 Gulden zu bezahlen, wovon

Gengenbach mit 2.300 Seelen 19,51 Gulden
Bermersbach mit 873 Seelen 7,20 Gulden
Ohlsbach mit 1.009 Seelen 9,41 Gulden
Reichenbach mit 1.102 Seelen

9,59 Gulden

Schwaibach mit 521 Seelen

4,29 Gulden

Summa

50,00 Gulden

an die Musik entrichtete, damit Herr Oberlehrer Hoffmann als Dirigent mit diesem Geld zu behändigen wäre.

Im März 1857 übernahm der “Musikinstruktor" Himmel die Leitung der Kapelle, die er aber schon im Oktober wieder abgab, da für die “Rekrutierung" der Musik nichts getan wurde. Lehrer Bellermann leitete nun die Kapelle, die man, um eine Auflösung zu verhindern, im “Feuerwehr-Corps" aufnahm. Am 16. Mai 1860 stellte der Verwaltungsrat der Feuerwehr den Antrag, daß die verbliebenen Reste der Musik in eine Feuerwehrkapelle umbenannt werden, wodurch wieder ein Aufschwung erfolgte. In der Zwischenzeit bis Sommer 1860 war dann etwas Ruhe, bis dann wieder ein Tiefstand kam, da kein Dirigent vorhanden war. (200 Gulden pro Jahr waren den Bewerbern zu wenig). 1866 konnte die Auflösung der “Feuerwehr-Musik" nicht mehr verhindert werden.

Durch Querlereien der Dirigenten wurde laut Protokoll des Gemeinderats vom 13. 8. 1867 die Musik ganz aufgelöst und der Ratsdiener Armbruster beauftragt, die Instrumente einzufordern und auf dem Rathaus abzuliefern. Die wiedergegründete Kapelle wechselte ihren Dirigenten mehrmals in dem Oberlehrer Störck aus Strohbach und dem Musiklehrer Herrmann aus Baden. Am 21.12.1868 wurden die ersten Statuten für die damals bestehende Musik erlassen. Oktober 1870 trat der Dirigent Herrmann zurück, und dafür wurde Hauptlehrer Störck als Dirigent verpflichtet, die Musik zu führen und neben der normalen Musik eine Knabenmusik zu gründen.

Ab 1882 leitete der ”Hofmusikus" a. D. Heinrich Bürk aus Karlsruhe die Kapelle. Er richtete an den Gemeinderat ein Schreiben mit dem Hinweis, daß der Fremdenverkehr eine bessere Musik erforderlich macht und somit die Gemeindeunterstützung der Kapelle größer werden müsse. Es genügt nicht allein, die Arbeit des Verschönerungsvereines durch Instandhaltung und Markierung schöner Wege, sondern dem Gast müsse bessere Musik geboten werden. Bürk richtete einen Aufruf an die Jugendlichen, von denen sich 55 Liebhaber im Alter von 11 1/2 bis 18 Jahren meldeten. Leider können wir in der heutigen, fortschrittlichen Zeit mit diesen Zahlen kaum konkurrieren. Der amtierende Dirigent verzichtete nach hoffnungsvollem Beginn jedoch bald wieder auf sein Amt, wegen Bummelei der Musiker in den Proben. Urkundlich niedergelegt besagt uns ein Schriftstück vom 10.1.1882, daß es damals schon eine Gengenbacher Jugendkapelle mit 55 männlichen Teilnehmern gab.

Die in der Zwischenzeit verwaiste Kapelle wurde 1885 von dem Offenburger Franz Buß übernommen, und trotz städtischer Anstellung nur bis 1887 geleitet. Der nächste Dirigent war Ludwig Heinikel aus Kehl. Ab l. 3.1890 war die Kapelle wieder ohne Dirigent, da Herr Direktor Heinikel durch Kündigung die Kapelle verließ. Im selben Jahr ließ die Gemeindeverwaltung die Stelle des “Musikdirektors" in der Bad. Landeszeitung, Karlsruhe, Freiburger und Konstanzer Zeitung ausschreiben. Von den Bewerbern konnte Hobrist Robert Friedemann im Inf. Reg. von-Lützow Nr. 25, Rastatt, für die städtische Musik gewonnen werden. Friedemanns Kündigung wurde 1895 durch Gehaltsaufbesserung und Wohnungsgeldzuschuß aufgehoben, 1897 war es doch soweit und Dirigent Robert Friedemann ging nach Offenburg. Die weiteren Dirigenten der städtischen Musik waren bis 1900 Musikdirektor R. Rohre, Mühlhausen, Dirigent Dehner und Dirigent Kornmeier, und der Gengenbacher Säger Karl Lehmann.

   

Kirchenkonzert

16.12.2018 - 16:00 Uhr



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