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Stadtkapelle Gengenbach


Wir machen Musik
 
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Paul Nibodeau (10) spielt sonntags in Gengenbach gegen Corona-Frust und spendet damit vielen Nachbarn Trost und Freude.

 

Verschmitzt lachend sitzt Paul Nibodeau (10) in der Abendsonne im obersten Balkon der Börsiglache 44 in Gengenbach und erzählt von seinem Leben ohne Schulbesuch. Bis Ende der Osterferien hat er die Grundschule auf dem Nollen seit fünf Wochen nicht mehr von innen gesehen. Und nach den Osterferien wird er für weitere zwei  Wochen die Geschwister-Scholl-Schule nicht besuchen können. 

Untätig ist er aber nicht. Und für das Umfeld in der Börsiglache 44 in der Gengenbacher Vorstadt ist Paul mittlerweile auch kein Unbekannter mehr. 

Waldhorn

Wenn er am letzten Aprilsonntagabend erneut mit seinem goldglänzenden Waldhorn auf den Balkon im 3. Stock tritt, wird es das fünfte Mal sein, dass er für seine Mitmenschen mit der „Ode an die Freude“ Trost in bedrängender Zeit spendet. Paul freut sich, wenn die Menschen auf ihre Balkone treten oder sich familienweise tief unten im Hof versammeln, um seinen Klängen zu lauschen.

Seit drei Jahren spielt er sein Instrument. Sein Ausbilder ist Stadtkapellmeister Tobias Elsäßer. Mittlerweile ist Paul schon Teil der „Youngstars“, der Nachwuchstruppe der Stadtkapelle. 

Doch der Jungmusiker spielt nicht nur für seine Nachbarn. Bereits dreimal besuchte er in letzter Zeit mit seiner Mutter Annerose Nibodeau seine Oma (90) in Hornberg, um ihr in geziemender Distanz eine musikalische Freude zu machen. 
Dass er mittlerweile schon fast sechs Wochen nicht mehr in seinem Klassenzimmer auf dem Nollen war, scheint ihm aber nichts auszumachen. Seine von der Schule aufgestellten Wochenpläne bearbeitet er zu Hause konzentriert und zu festgelegten Zeiten. Das Lernen erfolgt so eigentlich effektiver. 

„Im Unterricht schwätzt man doch eher mal“, gesteht er freimütig. Was ihm allerdings fehlt, ist der gewohnte  Umgang mit seinen Freunden. Mama Annerose Nibodeau ist vollauf zufrieden mit ihrem Filius: „Er kann längere Zeit am Stück  lernen“, sagt sie. Die Lösungen erhält sie per Mail von den Lehrern, so dass ihre Kontrollaufgaben zeitlich keine übermäßigen Ansprüche stellen. Auch für die zwei unterrichtsfreien Wochen nach den Osterferien liegen für die Fächer Deutsch, Mathe, Sachunterricht und Kunst schon die Arbeitspläne vor. Überdies seien die Lehrkräfte für Rückfragen jederzeit ansprechbar. Bisher habe man davon aber noch keinen Gebrauch machen müssen. 

Für Mutter Nibodeau ist auch das Zeugnis kein Problem. Die Anmeldungen für die weiterführenden Schulen seien ja bereits erfolgt. 
Paul wird übrigens nach den Sommerferien auf das MSG wechseln. Zielstrebig ist der junge Hornist ebenfalls. Sein Berufswunsch steht schon seit fünf Jahren fest. Er will Polizist werden.


Copyright 20200425 Reiff Medien
April 25, 2020 9:24 am(GMT - 2:00)

Die „Ode an die Freude“ sorgt für viel Freude

Foto: Erich Fakler